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Drei sind einer zuviel?

Wie Sie den Absprung schaffen, Seite 1/6

„Ich hätte nie gedacht, dass mir das mal passiert. Ich bin da einfach reingerutscht – wie Ihr auch“, sagt Julia und schaut mit blitzenden Augen in die Runde, die aus drei Frauen im Alter zwischen 25 und 40 Jahren besteht. Anett, eine aparte, dunkelhaarige Mittdreißigerin mit auffälligem rotem Lippenstift, pflichtet ihr bei: „Ich wusste nur: Das ist wunderschön. Über die Konsequenzen habe ich mir keine Gedanken gemacht. Als ich endlich gemerkt habe, wie nah ich am Abgrund tanze, hatte ich schon fünf Jahre hinter mir. “ Sandra widerspricht nüchtern: „Ich wusste ganz genau, was auf mich zukommt. Aber“, räumt sie ein, „stoppen konnte ich es trotzdem nicht.“

Die drei Frauen berichten nicht über eine überstandene Drogensucht, nicht über die Schuldenfalle, Workaholismus oder gar kriminelle Machenschaften. Gemeinsam haben sie, dass sie den Ausstieg aus einer unglücklichen Liebe, einer Ménage à trois, geschafft haben. Alle drei waren Geliebte verheirateter Männer. Wer jemals in einer unfreiwilligen Dreiecksbeziehung gesteckt hat, weiß nur allzu gut, wie groß das Leiden werden kann. Denn die Betroffenen, meist Frauen, sind gefangen in einem unkontrollierbaren Gefühlschaos aus Hoffnung, bedingungsloser Liebe, schönen Stunden, tiefer Verzweiflung und Selbstaufgabe.

Halb zog sie ihn...

Kaum eine manövriert sich bewusst in den Geliebten-Status. Alles beginnt mit einem harmlosen Techtelmechtel. Doch plötzlich sind Gefühle im Spiel, und damit auch der Wunsch, den Partner ganz für sich zu besitzen. Es beginnt die Zeit, in der es immer mehr frustriert, wenn er nach dem Treffen verschwindet und sie allein zurückbleibt; in dem Wissen, dass er nun zu seiner Frau geht. Sehnsucht und Selbstzweifel nagen an der Geliebten. Das eigene Leben kreist zunehmend um die wenige, kostbare Zeit mit ihm. „Ich habe Verabredungen mit Freunden abgesagt, um verfügbar zu sein, wenn er sich meldet. Ich durfte ihn ja nicht einmal anrufen“, erzählt Anett bitter. „Irgendwann drehte sich in meinem Leben alles nur noch um ihn. Ich selbst blieb völlig auf der Strecke.“

...halb sank er hin
 
Auch für das Objekt der Begierde, den vergebenen Mann, beginnt die Ménage à trois fast immer als belangloses Abenteuer. Dahinter steckt oft die Unzufriedenheit in einer unvollkommenen langjährigen Beziehung. Motivation kann aber auch das Bedürfnis eines Mannes in der Lebensmitte sein, sich seine Jugend mit einer jüngeren Geliebten quasi wieder zurückzuholen – und immer reizt der Kitzel des aufregend Neuen. Die wenigsten Männer suchen bewusst nach einer Liebschaft. Genau wie die unglücklichen Geliebten „rutschen“ sie in die Affäre. Die Annahme, dass die Position zwischen zwei liebenden Menschen nur Vorteile bringt, ist übrigens nicht ganz zutreffend: Häufig quälen auch ihn ganz massiv Zerrissenheit, Schuldgefühle und Ängste. Als dominierendes Bindeglied der Dreiecksbeziehung läge es nun an ihm, die Verantwortung zu übernehmen und für klare Verhältnisse zu sorgen. Doch die Realität sieht meist anders aus. Da wird gelogen und verheimlicht, wird Selbsttäuschung betrieben und die Geliebte mit allen Mitteln an sich gebunden.

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