Astrologie und ErnährungWerde, was Du bist ? nicht, was Du isst, Seite 1/3 |
Immer mehr Menschen in Deutschland werden immer dicker – und sie kosten die Gesellschaft große Summen: bis zu 20 Milliarden Euro pro Jahr. Das Magazin „Stern“ befragte im April 2007 den Gesundheitsökonom Dr. Jürgen John, warum Dicksein so teuer ist. Seiner Meinung nach bedingt Übergewicht Diabetes, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Haltungsschäden, die das deutsche Krankenkassensystem belasten: Versicherte mit einem BMI über 35 kosteten pro Jahr über 1700 EUR mehr an Leistungen als Schlankere. Gesundheitsminister Horst Seehofer fordert deshalb: Deutsche, speckt ab! – Was ist dran an diesen „gewichtigen“ Behauptungen? Udo Pollmer ist der Meinung, dass es heute nicht mehr Übergewichtige gäbe als früher. Der Berechnungs-Schlüssel sei falsch: der vielbeschworene BMI sei eine ungenaue Messung.
Überhaupt spielten auch andere Faktoren eine Rolle bei der Gewichtszunahme als die Ernährung: nämlich der psychische Zustand. „Verheiratete sind dicker als Singles – einfach weil eine feste Partnerschaft die hormonelle Regulation ändert. Wenn der Testosteronspiegel sinkt, dann kriegen die Herren ihr Bäuchlein. Oder der Kummerspeck: Wenn Sie sich in einer ausweglosen Situation befinden, dann produziert der Körper Cortisol – und dann werden Sie meistens dick. Das kommt aber nicht von Schokolade, sondern von der Bitterkeit.“ Diese Erkenntnis wird von Psychologen bestätigt. Unser Körperbild ist Ausdruck unserer gesamten Lebenssituation: unseres Egos, unseres Selbstbewusstseins, unser sozialen Umwelt und unserer Sensibilität für unsere Bedürfnisse. Daran ändert ein Eis, mit Lust genossen, ebenso wenig, wie eine Sprossendiät. Wichtig sei, meint der streitbare Ernährungswissenschaftler, dass wir wieder einen natürlichen Bezug zu unserem Körper gewinnen und ihn nicht als Feind betrachten, sondern als natürlichen Freund, der unserer Pflege und Aufmerksamkeit bedarf. „Gute“ und „schlechte“ Lebensmittel seien ein Nebenkriegsschauplatz: im Mittelpunkt stünde immer eine verunsicherte Persönlichkeit, die sich eher nach Außen, statt nach Innen anhand des eigenen Bedarfs, orientiert. Pollmer ist zuversichtlich, dass wir genügend eigenes Wissen reaktivieren, wenn wir lernen, allen Mythen über Ernährung zum Trotz den Bedürfnissen unseres Körpers zu folgen. Die sind nämlich nicht nur natürlich, sondern auch individuell: was dem einen gut tut, ist für den anderen nicht zuträglich. Nur eine einzige Ernährungsform für alle Menschen gibt es genauso wenig wie nur eine Religion, Partei oder Sexualvorliebe.
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