Heiße Gefühle am Kopierer?Liebe ohne Feierabend, Seite 1/6 |
J.F. Kennedy und Jackie taten es. Britney und Justin tun es noch immer. Angelina und Brad tun es sowieso. Die Rede ist von der Liebe am Arbeitsplatz, oder besser gesagt vom Kennenlernflirt im Job. Denn alle diese prominenten Paare haben sich im Berufsleben kennen – und lieben gelernt. Was den Stars Recht ist, ist vielen Normalbürgern heute billig. Die Partnersuche wird zunehmend zu einem Muster, das Beruf und Privatleben verbindet. Das kann sehr reizvoll sein – doch auch sehr riskant. Denn jeder Arbeitsplatz und jede Beziehungskonstellation ist anders. Wir untersuchen daher die psychologischen Faktoren, die eine Liebe im Job fördern oder behindern, und befragen Paare, die sich am Arbeitsplatz kennen gelernt haben.
Gemeinsame Interessen
Gelegenheit macht Liebe. Jeder soziale Bereich, in dem Menschen zusammen kommen, hat grundsätzlich ein gewisses Flirtpotenzial. Das gilt für den Sportverein ebenso wie für den VHS-Abendkurs und den Gartenbauclub. Allerdings ist insbesondere der Arbeitsplatz ein Ort mit erhöhtem Flirtpotenzial, ein perfektes Milieu für private und intime Begegnungen. Woran liegt das? „Der Arbeitsplatz ist für die meisten Menschen ein Ort mit besonderer persönlicher Bedeutung“, erklärt die Psychologin Ursula van Tack, „denn was man acht oder mehr Stunden pro Tag macht, wird von den meisten als viel bedeutsamer eingeschätzt als die Freizeit. Das macht auch Sinn, denn der Job hat – trotz schwieriger Arbeitsmarktlage und weniger Traumstellen – immer noch sehr viel mit dem eigenen Ich, mit der Interessenlage und der Selbstdarstellung zu tun. Wir verbringen im Schnitt 220 Tage pro Jahr im Büro. Der Job liegt uns in der Regel doch etwas näher als das Hobby – deshalb liegen uns auch die Menschen, denen wir im Beruf begegnen, automatisch etwas näher.“ Der Faktor, welcher für ein Nähegefühl sorgt, ist also das gemeinsame Interesse, denn im Berufsleben treffen Menschen mit ähnlichen Zielen und Interessen zusammen. Das sorgt bereits für eine gewisse innere Verbindung. Oft sind zudem, insbesondere unter Kollegen, die beruflichen Werdegänge recht ähnlich, was ebenfalls ein Vertrautheitsgefühl erzeugt, da man gemeinsame Erfahrungen teilt. Manche Branchen haben zudem offenbar ein ganz spezielles Liebespotenzial: Umfragen ergeben, dass in medizinischen, innovativen und kreativen Berufen besonders viele Beziehungen über den Arbeitsplatz entstehen. Die Leidenschaft für die Forschung und Entwicklung kann dann ganz schnell mal aufs attraktive Gegenüber übertragen werden. Denn die Vertrautheit im Beruf ist nicht nur eine intellektuelle oder fachliche, sondern entsteht auch im zwischenmenschlichen Kontakt. „Im Beruf erleben wir Krisen und Erfolge.“, lächelt Frau van Tack, „man erlebt sich gegenseitig nicht nur als Funktionsträger, sondern auch als Persönlichkeit mit authentischen Gefühlen. Man erlebt, wie einer auf Stress reagiert, welchen Humor er hat oder worüber er sich freut. Das senkt oft die Hemmschwelle, sich dem Anderen anzunähern.“ Darüber hinaus geht im Arbeitsleben selten der Gesprächsstoff aus – die Kommunikation kann sich also schnell und unkompliziert entfalten. Ein unverfänglicher Dialog als Initialzündung für einen Flirt ist somit beinahe immer gegeben.